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Stadtführung durch Slubfurt
mit unserem versierten Stadtarchitekten und Stadtführer
Michael Kurzwelly
Einführung:
Generell besteht das Ziel einer touristischen Stadtführung darin, vor
allem Gästen aus der Fremde das Besondere und Charakteristische einer
Stadt zu vermitteln. Slubfurt an sich ist eine ganz besondere Stadt, denn
sie liegt in zwei Staaten gleichzeitig, in Polen und in Deutschland. Die
Slubfurter verstehen es hervorragend, die Qualitäten beider Kulturen mit
ihren unterschiedlichen Erfahrungen miteinander zu verknüpfen und so ein
neues Identifikationsfeld zu erzeugen. Der Slubfurter ist stolz auf seine
Stadt. Mit dieser Stadtführung möchten wir Sie in die Geheimnisse Slubfurts
einführen.Wir zeigen Ihnen nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch die
Probleme, Risse und Schwierigkeiten eines transkulturellen Stadtraums.
Unser Rezept besteht im beständigen Erzeugen von Krisen und Umordnen von
Strukturen und Räumen.
Ablauf:
Eine Stadtführung dauert in der Regel von 10-16 Uhr und beginnt vor dem
Slubfurter Hauptbahnhof im Stadtteil Furt. Sie werden in einer Rundwanderung
durch beide Stadtteile geführt, über den Fledermausberg von Furt, weiter
vorbei an dem leerstehenden Kino aus sozialistischen Zeiten, der Baustelle
des zweiten Teils der Slubfurter Stadtmauer, durch die überdachte Shoppingmall
im Oderturm, vorbei an der Slubfurter Europauniversität Viadrina, der
Marienkirche, weiter zur Oder, zum Fforst, durch die Hinterhöfe einer
Wohnsiedlung und mitten durch das neue Slubfurter Rathaus (ehem. Grenzübergang),
über die Stadtbrücke zur vollen Stunde, wenn unser Wahrzeichen, der Slubfurter
Hahn kräht. In Slub angekommen, steigen wir zunächst auf die Aussichtsplattform
des Collegium Polonicum, wo Sie einen wunderbaren Blick über die Stadt
und den schönsten Fluss Europas, die Oder, haben. Weiter geht es durch
die Slubfurter Straße (im Volksmund der Furter bis heute "Zigarettenstraße"
genannt, dann durch Sluber Hinterhöfe zum kleinen Basar. Unterwegs studieren
Sie bereits das nötige Vokabular ein, um dort Gemüse einkaufen zu können.
Vorbei am Busbahnhof und den Studentenwohnheimen geht es zum Platz der
Leere, wo wir auf dem ersten, bereits 2004 gebauten, Teilstück der Slubfurter
Stadtmauer picknicken können. Anschließend besichtigen wir die open air
Ausstellung der Tagesstätte für geistig Behinderte und spazieren dann
gemütlich zur Hafenkneipe "Warszawianka", wo wir bei Bier, Cafe und einem
deftigen Bigos entspannen können und uns gemeinsam den Film "Slubfurt-eine
Stadt an der Oder" ansehen. Nach einer anschließenden Diskussion endet
hier die Stadtführung. Auf Wunsch werden Sie wieder zum Slubfurter Hauptbahnhof
zurück begleitet.
Hintergrund:
Der Stadtführer führt die TeilnehmerInnen durch Slubfurt, d.h. Weder durch
Frankfurt, noch durch Slubice, die bereits Geschichte sind, denn 1999
haben sie sich zur Stadt Slubfurt zusammengeschlossen. Trotzdem erklärt
er die Geschichte der beiden ehemaligen Städte, die Ost- West Verschiebungen
der polnischen Grenzen nach dem zweiten Weltkrieg, die damit verbundenen
Zwangsumsiedlungen von Menschen aus dem ehem. Ostpolen in die neuen polnischen
Westgebiete und aus den ehem. deutschen Ostgebieten Richtung Westen. Es
wird also auf die Geschichte und deren Auswirkungen auf die Menschen beiderseits
der Oder eingegangen, aber auch auf die unterschiedlichen Lebensbedingungen
und die daraus resultierenden Werte und Denkmuster. Die Stadtführung ist
auch ein Gespräch zwischen Gästen und Stadtführer. Fragen können gestellt
werden, die Aussagen des Stadtführers können durch eigene Erfahrungen
ergänzt werden.
Evaluation:
Je nach Gruppe und Wunsch wird das Geheimnis um Slubfurt nach Beendigung
der Stadtführung gelüftet oder nicht. Manche Pädagogen und Partner möchten
in einer erst später geführten Diskussion das Geheimnis preisgeben. Je
länger die TeilnehmerInnen an Slubfurt glauben, desto deutlicher tritt
anschließend die potentielle Möglichkeit einer solchen Realität hervor.
Da es ein dynamischer Prozess ist, kann das Geheimnis auch bereits durch
die TeilnehmerInnen gelüftet werden. Manche Gruppen glauben bis zum Schluss
der Stadtführung an die Existenz von Slubfurt, manche bemerken die "Wirklichkeitskonstruktion"
Slubfurt bereits unterwegs. In beiden Fällen bleibt jedoch die Verschiebung
des Blickwinkels der Betrachter.
Erweiterte Stadtführung:
In längeren Seminaren und Workshops kann anschließend weiter an dem Thema
gearbeitet werden. Es ergeben sich zwei Arbeitsschwerpunkte:
Wer bin ich?
Ein Gespräch über die Frage nach Identität und Identifikation auf der
Grundlage eigener Erfahrungen. Wie entstehen Identifikationräume? Können
solche Räume erzeugt werden? Hierzu eine kurze Einführung in die Geschichte
des Entstehens gesellschaftlicher Räume und der Entwicklung hin zu Nationalstaaten,
zu Identifikationsräumen, die entweder auf einer Politik von "Blut und
Boden" oder dem Schwur auf eine Verfassung beruhen.
Strategien der Problembewältigung:
Eine Analyse der künstlerisch-politischen Strategie einer "Wirklichkeitskonstruktion",
auch im Vergleich zu dem 2005-2006 von Kurzwelly entwickelten Projekt
"weisse zone", bei dem im Gegensatz von Slubfurt ein 145 qkm großes Gebiet
aus der Landkarte ausgeschnitten und zur "weissen zone" erklärt wurde.
Die TeilnehmerInnen entwickeln anschließend anhand selbst gewählter Problemstellungen
eigene "Wirklichkeitskonstruktionen". Das kann individuell oder in Arbeitsgruppen
erfolgen. In einer ersten Phase werden die Grundideen entwickelt und gegenseitig
bereits als "Wirklichkeitskonstruktionen" vorgestellt. In der zweiten
Phase überlegen sich die TeilnehmerInnen Mittel und Methoden der Umsetzung
ihrer Ideen, die dann gemeinsam diskutiert werden.
Auf Wunsch erhalten Sie die detaillierte Beschreibung eines solchen Workshops.
Kontakt:
Michael Kurzwelly
Tunnelstr. 10
D-15232 Slubfurt
T: 0335-66099663, 0171-2668747
Mail: kurzwelly-et-arttrans.de
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Slubfurter Stadtführer
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