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01.-15.01.05,
11.00-13.00
Slubfurter Informationszentrum / Grosse Scharrnstr. 17a
The same procedure as every year
Die Gleichstellung der Weihnachtsfrau und des Weihnachtsmannes
- Ausstellung


Foto: Schefferski/Myjak
AUSSTELLUNG IM JANUAR 2005IM INFOZENTRUM
GALERIE DES SLUBFURTER INFORMATIONSZENTRUMS
THE SAME PROCEDURE AS EVERY YEAR
Die Gleichstellung der Weihnachtsfrau und des Weihnachtsmannes
von Darius Suess
Man kennt nur den Weihnachtsmann. Wie wäre es aber mit einer Weihnachtsfrau?
Oder ist sie schon längst da und wird lediglich verschwiegen, vielleicht
sogar verdrängt, um den Weihnachtsmann nicht zu gefährden? "Die politisch
korrekten Eurokraten schreiben vor, dass der Weihnachtsmann eine Frau
sein muss!" Diese angeblich neue Vorschrift stammt aus einer Pressemitteilung
eines britischen Kaufhauskonzerns und entpuppte sich letztendlich als
ein Marketingtrick. Wie aber ist es nun um die Gleichstellung von Weihnachtsfrau
und -mann bestellt? Kann sie dazu beitragen, kulturelle Vorurteile abzubauen
oder bleibt sie einer dieser Euro-Mythen, erfunden zum schnöden wirtschaftlichen
Nutzen?
Der Berliner Künstler Roland Schefferski versucht zusammen mit einer Handvoll
Gleichgesinnter, die er zur Zusammenarbeit eingeladen hat, dieses Dilemma
mit kreativen Beiträgen zu erörtern. "The same procedure as every year..."
heißt ihre gemeinsame Ausstellung. Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit
suchen Menschen Nähe und Geborgenheit. Und finden oft nur Distanz, Kälte,
Konsumwahn - und den Weihnachtsmann! Und wo fühlt der sich geborgen? Ist
der Weihnachtsmann, diese Symbolfigur unserer Wünsche und Sehnsüchte,
selbst überhaupt fähig zu Gefühlen, Sinnlichkeit und Leidenschaft? Oder
ist er ein emotionsloser Klotz? Schlägt er am Ende sogar seine Weihnachtsfrau?
Hat er überhaupt jemanden - oder hat er etwas zu verbergen? Die Gleichstellung
der Weihnachtsfrau und des Weihnachtsmannes bedeutet die Antwort auf diese
Fragen, die Befreiung von einer Illusion: Der vermeintlich geschlechtslose
Rauschebart lässt die Hosen runter.
In Assemblagen, Objekten und Bildern aus dem Tagebuch vom Weihnachtsmann
von Helmuth Falk ist er sogar ein Joints rauchender Säufer. Falks
witzige Werke lassen Weihnachten in einem nie gesehenen Licht erscheinen.
Warum sonst wird zwischen Marzipankartoffeln und Lametta nichts so konsequent
ausgeklammert wie - Sex? Der Dildo unterm Tannenbaum jedenfalls ist ein
Tabu, Erotik und Sinnlichkeit sind out in der beschaulichen Weihnachtsharmonie,
die oft nur ein schön verpacktes, kitschiges Wunschbild ist, das mit der
Realität - wie wir wissen - nicht viel zu tun hat. In Sachen Sex wird
diese Diskrepanz am deutlichsten sichtbar! Da sind zum Beispiel die gängigen
Produkte der Porno - und Sexindustrie, die in Magazinen oder Filmproduktionen
die Realität unserer Sexualität verfälschen, indem sie diese Realität
mit Stereotypen manipulieren. Diese Vorgehensweisen unterscheidet sich
nicht von denen der Werbeindustrie. Wir werden mit einer stetig anschwellenden
Bilderflut konfrontiert. Es entsteht eine ritualisierte Bildersprache.
Kann man dem entgegen wirken? Kann sie gebrochen werden, weil sie nicht
adäquat ist? In den Arbeiten von Jan Poppenhagen, Roland Schefferski
und Urban Art geht es um die Frage, inwieweit uns anstelle der Realität
eine zum Event stilisierte, artifizielle Erotik vermittelt wird. Ist es
noch möglich, etwa die Form des Pornofilmkonsums zu brechen? Zeigen uns
die in einzelnen Pixel zerlegten erotischen Motive der Arbeiten von Urban
Art eine dieser Möglichkeiten? Bei der Standaufnahme von Poppenhagens
"Girl, Boys and White Sofa" wird nur ein Ausschnitt eines Bildes gezeigt,
das nicht manipuliert ist. Diese Langezeit-Installation ohne Schnitt,
ohne Sound und Bewegung der Kamera ist eine neutrale Aufzeichnung ohne
Wertung. Im Mittelpunkt steht das Marginale, das was normalerweise weggelassen
wird. Es wird keine Action, sondern das Reale, Alltägliche gezeigt. In
seinen "Cuttings" verweigert Schefferski dem Betrachter konkrete Images
- ganz in der Tradition seiner Auseinandersetzung mit dem Thema Bild.
Man sieht lediglich, dass die von ihm bearbeiteten Zeitschriftenseiten
aus so genannten Herrenmagazinen stammen. Die bis auf einem schmalen Bildrand
ausgeschnittenen erotischen beziehungsweise pornographischen Inhalte können
aber zugleich zur Entstehung eigener Fantasiebilder abseits der Hochglanzerotik
inspirieren. Wie verhält es mit unseren Komplizinnen, den Frauen? Haben
sie überhaupt noch eine Chance, sich in dieser künstlichen Welt zu behaupten?
Es herrscht, mittlerweile auch in Polen, die Überzeugung, dass moderne
Frauen entweder kampflustige Feministinnen oder befreite, ihre eigene
Befriedigung suchende Karrieristinnen sein können. Zu den weiteren Phänomenen
weiblicher Typenbildung zählen die Geschäftsfrauen, die "Barbies" und
die polnischen Superfrauen. Das Phänomen des letztgenannten Typus thematisiert
Ela Jabloñska in ihren Fotografien "Gry domowe - Hausspiele". Es
ist eben nicht der Superman, sondern die Superfrau, die Tag für Tag ihre
heroischen Taten - wie Kochen, Spülen, Waschen usw. - vollbringt. Neben
ihrer beruflichen Arbeit führt sie nicht nur den Hauhalt und erzieht ihre
Kinder, sie muss doch dabei Mutter, Ehefrau, Köchin, Putzfrau, Liebhaberin,
Freundin, Hausfrau sein und dabei immer attraktiv. Die Stellung und Rolle
der Frau in der Gesellschaft beschäftigt auch Szymon Brodziak.
In seinen Fotografien versucht er die Stereotypen der Frauendarstellung
zu überwinden. Seine Inszenierungen spielen zwar teilweise mit Klischees,
zeigen aber keine ästhetisierenden Nacktaufnahmen, die nur der Befriedigung
der männlichen Bedürfnisse dienen könnten. Es ist eine Art Balanceakt
zwischen gutem Geschmack und der gesellschaftlichen Gewohnheit, die die
Frauen mit Würde überleben. In den letzten Jahren kamen etliche Männer
nach Polen auf der Suche nach einer geeigneten Lebenspartnerin - einer
Ehefrau oder einfach einer geehelichten Haushaltshilfe. Immer mehr Frauen
sind heute unabhängig und doch gibt es noch Frauen, die aus schlechter
gestellten Verhältnissen kommen, und für die solch ein Mann die Befreiung
aus ihrem Milieu und ihrer Armut bedeutet. Sucht der Mann aus dem Westen
immer noch nach der Idealfrau - schön, hingebungsvoll, treu, fleißig und
religiös? Erfüllen die jungen Polinnen diese Illusionen? Sind oder werden
sie gute Ehefrauen sein? Solche Fragen stellt Anna Krenz in ihrer
multimedialen Installation "Polish Wife".
"Between, Before and After" hat Michael Kurzwelly seine Video-
und Fotoinstallation genannt. Damit ist kein sexueller Akt gemeint. Es
ist ein Film über Langeweile, den Kurzwelly zusammen mit Fotos einer Familienidylle
zeigt. Die gleichen, sich immer wiederholenden Bilder einer Zugreise kontrastieren
mit statischen großformatigen Prints und spiegeln die typische, weihnachts-ähnliche
Monotonie wider. Das erste Beispiel einer Bildfolge in der Geschichte
der Fotografie war das Ergebnis einer Wette, weil einer der Beteiligten
nicht glauben wollte, dass ein galoppierendes Pferd jemals alle vier Hufen
vom Boden weg hat. Die später folgenden Arbeiten des berühmten englischen
Fotografen Eadweard Muybridge führten zur Einführung des Kinematografen.
Zwei Bildfolgen von Muybridge dienen Waldemar Kremser als Vorlage
seiner zwei Video-Loops "Püppchen". Man kann nicht so richtig feststellen,
ob die nackte Frau in einem und der nackte Mann in dem anderen Endlos-Film
grade dabei sind aufzustehen oder sich hinzulegen. Kremser relativiert
auf diese Weise den Ablauf einer einfachen Bewegung und eines noch immer
gesellschaftlichen Tabu. Obwohl sich diese Ausstellung bei der Thematisierung
der erotischen oder sexuellen Aspekte des gesellschaftlichen Lebens nicht
auf die traditionelle Darstellung eines überdimensionalen Busens oder
erigierter Penisse beschränkt, soll sie trotzdem Spaß machen. Gleichzeitig
ist sie ein Aufruf zum Handeln. Sie versucht eine formal und inhaltlich
innovative Auseinandersetzung mit klassischerweise - nicht nur in der
Weihnachtszeit - tabuisierten Themen zu führen, aus einer etwas ungewöhnlichen
Perspektive. Dabei werden auch wichtige soziale Aspekte des modernen Gesellschaftslebens
zum Ausdruck gebracht.
KünstlerInnen:
Szymon Brodziak, Helmuth Falk, Ela
Jablonska, Anna Krenz, Waldemar Kremser, Michael Kurzwelly, Jan Poppenhagen,
Roland Schefferski, Urban Art
Wir wünschen Ihnen viel Freude









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Szymon Brodziak

Helmuth Falk

Elzbieta Jablonska

Waldemar Kremser

Anna Krenz

Michael Kurzwelly

Jan Poppenhagen

Roland Schefferski

Urban Art
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