die grenzen von eden / 02. projekt

 

Das Projekt "Die Grenzen von Eden" stellt sich vor

Wer adoptiert eine Pflanze?

Gärten, Blumenbeete, Vorgärten und Balkone sind oft intime Zufluchtsorte ins Private. Es können Orte sein, an denen die Kreativität einer Familie in "Kulturbildern" ihren Ausdruck findet, als eine Art gerahmte anthropomorphe Landschaft.
Wir bieten Ihnen eine fremdartige dekorative Pfl anze zur Adoption an. Sie müssen nur selber die Rolle des Hüters übernehmen und der Pflanze durch angemessene Pflege das Überleben garantieren. Ein schriftlicher Vertrag (Pflanzenvademecum) zwischen den Wissenschaftlern Bernardo Giorgi und Cinzia Cozzi und den neuen Pflegern der Pflanzen soll die angemessene Pflege garantieren.
Die zur Adoption freigegebene Pflanze hat die Funktion, eine ganz bestimmte Schmetterlingsart anzuziehen (Beispiel: Budellaria). Dieser kleine Eindringling wird zwischen den neuen Wohnorten der Pflanzen hin und her wandern, neue Kolonien gründen, die von Garten zu Garten ziehen - trotz der Hindernisse, die ihnen durch territoriale und private Grenzen gestellt sind. Das Laboratorium endet mit einem kleinen Heft, das den Gartenbesitzern übergeben wird. Hierin finden sie unter anderem Angaben über die Schmetterlinge und eine Liste verschiedener in der Region auffindbarer Arten.


Wenn Sie an dem Projekt teilnehmen möchten, melden Sie sich einfach bei Bernardo Giorgi und Cinzia Cozzi.

Kontakt:
motyl@slubfurt.net
00-49-335-4012774
00-171-2668747

 

Schmetterlingsgrenzen

"Eden ist überall", sagt Bernardo Giorgi im Gespräch mit Katharina Abels

Profil: Bernardo, dein gemeinsames Projekt mit Cinzia Cozzi heißt ·Die Grenzen von Eden·. Wo liegt Eden? Und was sind das für Grenzen, von denen es umgeben ist?

Giorgi: Eden ist überall, es hat keinen festen Punkt auf der Landkarte. Es ist ein Zustand, es ist eine Möglichkeit... Der Garten Eden wird als ein Symbol für das Paradies verstanden, aber auch als Symbol für die Vertreibung der Menschen aus diesem Paradies. Wir Menschen sind ein Teil der Natur, untrennbar mit ihr verbunden. Aber wir vergessen das oft. Eden verschwindet erneut. Hinter unserem Projekt steckt die Idee, das Verständnis und die Verantwortung für die lebenswichtigen Beziehungen zwischen Menschen, Pfl anzen und verschiedenen Ressourcen zu fördern. Um auf die Grenzen zu sprechen zu kommen:
Grenzen sind Infrastrukturen, meistens mentaler oder auch wirtschaftlicher Art. Sie können Dich sowohl von Dir selbst als auch von andern Menschen trennen.

Warum hat euer Projekt ausgerechnet etwas mit Schmetterlingen zu tun?

Schmetterlinge durchlaufen verschiedene Lebensphasen. Sie symbolisieren den Evolutionsprozess. Eines Tages werden sie wunderschön. Und sie können ganz einfach von einer Seite der Grenze auf die andere fl iegen. Es gibt wirklich gute Gründe, Schmetterlinge zu betrachten.

Nehmen Schmetterlinge überhaupt keine Grenzen wahr?

Alle Tiere nehmen Grenzen wahr, allerdings nicht im Sinne kultureller Grenzen wie wir. Sie agieren und agieren in bestimmten Codes, welche die Natur ihnen vorgibt. Jedes Tier hat seine eigene Umgebung, seine eigene Heimat. Diese wird zum Beispiel durch das Vorkommen bestimmter Pfl anzen oder durch ein spezielles Klima eingegrenzt. Wir fi nden hier nicht das menschliche Verständnis von "Grenze"wieder. Es kann uns aber dennoch zum Nachdenken und zum Reden über das Verhältnis von "Grenze" und "Freiheit" anregen.

Wie viele Schmetterlinge werdet ihr in den Gärten von Slubfurt freilassen?

Wir bringen keine Schmetterlinge mit, die wir dann freilassen. Es gibt hier schon so viele von ihnen, bloß bemerken wir sie nicht mehr. Wir sind viel zu eingenommen von den vielen Alltagsdingen, die uns beschäftigen. Unsere Idee ist es, Pfl anzen zu verteilen, die Schmetterlinge anziehen um die Aufmerksamkeit der Menschen darauf zu lenken. Wir sind auch hier um zu zeigen, dass Umweltbewusstsein
auf verschiedenen Ebenen auch etwas mit Lebensqualität zu tun hat. Der Begriff ·Umwelt· beschreibt ja Dinge, die uns auf verschiedene Weise jeden Tag direkt beeinfl ussen: vom Essen auf unseren Tischen über die Kleidung die wir tragen bis hin zum Wetter, über das wir uns freuen oder ärgern. Es geht darum, unsere Welt und die Rolle, die wir in ihr spielen, besser zu verstehen.

Besteht die Chance, die Grenzen von Eden zu überwinden?

Ja. Man muss dazu die Grenzen im eigenen Kopf einreißen.




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Bernardo Giorgi + Cinzia Cozzi
(EU/I) 07/2004